Trichotillomanie

Trichtagebuch – Mental Health

„I’m fine.“

Sagte sie, und es ging ihr aber garnicht so gut wie sie dachte.

All diejenigen, die das Wort Trichotillomanie (auch Haarrupf-Tic genannt) noch nie gehört haben, werden, vorausgesetzt sie lesen weiter, einiges darüber erfahren, was es bedeutet sich selbst die Haare einzeln oder auch büschelweise auszureißen.
Oder was in einer dieser Personen vorgeht.

Und zwar in mir. Ja ich habe Trichotillomanie seitdem ich vierzehn bin und ich habe es aus Scham nie gerne zugegeben. Nur engste Vertraute wissen darüber bescheid und selbst da geht es einem nach eigener Erfahrung nicht besser wenn man mit jemandem redet, der nicht selbst betroffen ist. Weil sie es selbst nicht fühlen.
Und die, die nicht bescheid wissen, werden sich wahrscheinlich immer gefragt haben oder immer noch fragen, warum ich immer so seltsame Haarschnitte und Frisuren trage.
Weil es nun mal nicht anders geht. Man muss die kahlen Stellen versuchen zu verstecken.

Nun ist es soweit das ich darüber sprechen möchte und vielleicht auch andere dazu zu motivieren sich anderen Betroffenen zu öffnen und darüber auszutauschen.

Wie erklärt man jemandem was Trichotillomanie ist?
Wikipedia sagt, es ist eine komplexe und zwanghafte Störung der Impulskontrolle.
Dem kann ich nicht widersprechen.
Oft sitze ich vor dem PC und merke garnicht das ich mir die Haare ausreiße, und wenn es mir einmal bewusst wird und ich aufhöre, fange ich kurz darauf ganz unbewusst wieder an.
Die Schübe sind mal stärker und mal schwächer ausgeprägt.

Warum macht man das?

Hier kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen und versuchen zu erklären was ich mir dabei öfter mal gedacht habe als ich es bewusst-unbewusst getan habe, wenn ich mir durch die Haare streiche und ein kaputtes oder rauhes Haar spüre, kommt es weg. Wenn es ein seidenglattes Haar ist, bleibt es dran. Aber wie gesagt, das passiert trotzdem unbewusst, es ist kein dezimierung kaputter Haare.
Aber es ist eine seltsame Art der Befriedigung oder eine Art Spannung abbauen was man da verspürt, solange bis man den Haufen Haare am Boden sieht, den man angehäuft hat.

Erst dann merkt man wieder einmal was man eigentlich gerade gemacht hat und verfällt in eine Depression. Ich hatte nie wirklich schöne lange Haare, und seit meiner Jugend besteht mein Kopf nur noch aus unterschiedlich kurzen Haarpartien, gab „gute“ Phasen in denen ich weniger ausgerissen habe, und meine Haare halbwegs normal aussahen, leider habe ich es nie geschafft ganz davon loszulassen. Wahrscheinlich weil es gleichzeitig auch meiner Psyche nicht gut ging. Das Eine ging immer mit dem Anderen Hand in Hand.

Wann mache ich es?

Prinzipiell nur wenn ich alleine bin und da unter Stress stehe und/oder Nervös bin. Ganz schlimm sind für mich ist meistens die Zeit im Krankenstand, da ich wenn ich krank bin prinzipiell alleine bin und nichts tun kann wenn weil es mir schlecht geht.

Macht man es nur am Kopf?

Ich persönlich mache es ausschließlich auf dem Kopf, habe aber schon von Menschen gehört, bei denen auch Arme, Beine, Augenbrauen, Wimpern, usw betroffen sind.

Gibt es mögliche Ursachen/ Auslöser dafür?

Es gibt einige Auslöser dafür, und bei mir vermute ich traumatische Ereignisse in meiner Kindheit, andere mögliche Auslöser können sein, Stress und ein eher geringes Selbstwertgefühl und man vermutet auch, dass es erblich bedingt sein kann.

Begleiterscheinungen/ Begleiterkrankungen?

Meine persönliche Vermutung ist, das der großteil der Betroffenen auch an Depressionen leiden, in Fachkreisen sagt man auch, das Depressionen der Auslöser von Trichotillomanie sein sollen.
Angstzustände und Panikattacken können dazugehören. Weil einem die Haarlosigkeit peinlich ist, kann es auch sein das man sich zurückzieht und selbst ausgrenzt, um möglicher Konfrontation aus dem Weg zu gehen.

Gibt es eine Behandlung/ Heilung?

Therapiemethoden:
Psychotherapie
Verhaltenstherapie
Selbsthilfegruppen
Medikamentöse Therapie

Bisher habe ich für mich selbst noch keine Heilung gefunden.

Ich möchte gern Betroffenen und deren Angehörigen die Möglichkeit geben sich in einer Art Forum auf Facebook auszutauschen, darum habe ich dort eine neue Gruppe erstellt:
https://www.facebook.com/groups/749986342403122/?ref=share

So, nun kennt ihr euch aus 🙂

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